Reizdarm und Reizdarm - Syndrom. Das können Sie tun!

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Reizdarm ist sehr unangenehm. Die Beschwerden der Betroffenen reichen von starken und schmerzhaften Blähungen, über Durchfall, Bauchschmerzen, Völlegefühl und Verstopfung zu so ziemlich jedem Symptom eines gewöhnlichen Magen-Darm-Infekt. Da die Beschwerden nicht eindeutig sind und jedes Symptom für sich auch sehr unterschiedlich stark auftreten kann, wird die Diagnose Reizdarmsyndrom oft erst sehr spät als Ursache erkannt. Erst wenn die Symptome dauerhaft und sehr stark auftreten wird eine schwerwiegendere Darmerkrankung bei den Betroffenen vermutet – meist nach einem langen Leidensweg durch zahlreiche Arztpraxen und die ein oder andere falsche Diagnose. Zu den üblichen Verdächtigen bei  langfristigen Störungen im Darm gehört das Reizdarmsyndrom, Leaky-Gut-Syndrom und der chronische Morbus Crohn.

> Informieren Sie sich hier über die Ursache von Reizdarm und erfahren Sie, wie sie als Patient dem entgegen wirken können, welche Behandlung zu Besserung führen und die Bauchschmerzen lindern. Außerdem finden Sie hier die wichtigsten Faktoren, wie sie einen gereizten Darm erkennen und wie sie mit regelmäßigen Reizdarm-Beschwerden am besten umgehen und mit Reizdarm leben können. Last but not least wollen wir Ihnen helfen eine chronisch-entzündliche Reizung des Darms zu vermeiden (Morbus-Crohn). 

Sollten Sie bereits an Morbus-Crohn leiden und eine Diagnose haben, empfehlen wir Ihnen sehr unsere Experten-Beratung, wie sie mit den Beschwerden besser umgehen lernen.

Der Auslöser ist die Darm-Hirn-Achse

Bei einem Reizdarmsyndrom (auch beim verwandten Colitis ulcerosa) ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft eine Störung der sogenannten Darm-Hirn-Achse die Ursache. Das bedeutet, dass bei dieser Erkrankung das Zusammenspiel des Darmnervensystems mit dem zentralen und vegetativen Nervensystem der Betroffenen nicht richtig funktioniert. Letzteres ist im Grunde die Schaltzentrale in unserem Körper. Sie steuert all die Körperfunktionen, die ganz automatisch funktionieren, wie beispielsweise das Atmen, den Herzschlag oder eben auch die Verdauung im Darm. Darm und Hirn sind in der embryonalen Entwicklung im Mutterleib sehr lange eine Einheit und auch heute noch über den sogenannten Vagusnerv, der zum Parasympathikus gehört, verbunden. Experten sprechen auch vom „Bauchhirn“. Tatsächlich kommunizieren Darmnervensystem, zentrales und autonomes Nervensystem über Botenstoffe sehr intensiv miteinander. Man spricht dabei auch von der Darm-Hirn-Achse. Auch weitere Erkrankungen, beispielsweise Depressionen werden mit der Darmgesundheit in Verbindung gebracht. Auch lässt sich beobachten, dass psychischer Stress messbare Auswirkungen auf die Darmflora und den Schmerz beim Patient hat.

Bei einem Reizdarmsyndrom wurden in Studien gezeigt, dass der Parasympathikus sehr aktiv „funkt“ und, dass bei Menschen mit Reizdarmsyndrom bestimmte Hirnareale verändert sind. Dort werden emotionale Prozesse verarbeitet und bestimmte körperliche Verhalten ausgelöst. Eines der wesentlichen Probleme: Patienten spüren mehr Schmerzen im Bauchraum und Darm, bzw. normale Empfindungen werden als schmerzhaft wahrgenommen. Normale Darmbewegungen oder ganz normale Nahrungsmittel können starke Schmerzen in den Darmnerven auslösen. So gesehen ist das Reizdarmsyndrom nicht nur eine Erkrankung, die den Darm betrifft, sondern eine Behandlung muss ganzheitlich den Zusammenhang von psychischer Gesundheit, Lebensstil und Stress und andere Ursachen beachten. Die mangelnde Empathie und das verkennen der wahren Ursache, dass viele Betroffene leider erleben müssen, macht diese Situation nur noch schlimmer. So wird ein Reizdarmsyndrom oft als temporäre Magen-Darm-Grippe behandelt oder als psychosomatisch abgewertet. Die meist zuerst probierte rein pharmazeutische Behandlung, wie beispielsweise krampflösende Mittel, führt also meistens nicht zum gewünschten Erfolg. Die Diagnose bleibt aus und die Betroffenen vom Reizdarmsyndrom mit schlimmen Blähungen, starker Verstopfung oder schlimmen Durchfall alleine gelassen. Sind die wahren Ursachen erkannt, können die von Reizdarmsyndrom aber durchaus viel für eine bessere Lebensqualität tun.

Viele Betroffene machen beispielsweise positive Erfahrung, wenn zusätzlich zur Behandlung mit Medikamenten auch Methoden wie progressive Muskelentspannung, Tai-Chi, oder Meditation zur Reduktion von Stress und psychischer Belastung eingesetzt werden. Viele Patienten, aber auch Ärzte wissen nicht, wie sehr der Magen-Darm-Trakt durch psychische Faktoren beeinflusst wird und stehen solchen Methoden oft skeptisch gegenüber. Aber neben der wichtigen Rolle von Entspannung, gibt es weitere konkrete Ansatzpunkte einem Reizdarmsyndrom zu begegnen:d

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Ansatzpunkt 1: Ernährung

Eine der Ansatzpunkte, um Reizdarm zu bessern, ist eine sogenannte FODMAP-Diät. Sie wird oft zur Behandlung empfohlen, wenn Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen das wichtigste Symptom des Reizdarm sind. Als FODMAP bezeichnet man eine Reihe von Zuckerarten, die im Magen-Darm-Bereich als Nahrung für bestimmte Bakterien dienen.:

Fermentierende (F) Oligosaccharide (O), Disaccharide (D), Monosaccharide (M) und (A) Polyole (P).

Bekanntere Bezeichnungen für FODMAPs sind zum Beispiel Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose), Raffinose, Stachyose, oder Sorbitol.

Eine Low-FODMAP-Diät entzieht gewissen Bakterien im Dünndarm die Nahrung, um so die Symptome des Reizdarm zu bekämpfen. Nun sind allerdings die Bakterien im Darm eigentlich etwas positives, daher sollte man eine solche Diät nur unter Experten-Begleitung und nach einer medizinischen Diagnose durchführen. Aber gerade wenn der Patient schwer unter den Reizdarmsyndrom-Symptomen leidet, macht es Sinn eine solche Diät in Erwägung zu ziehen, um den Schmerz im Bauch und den auslaugenden Durchfall loszuwerden.

Ansatzpunkt 2: Probiotika

Ein weitere oft verfolgter Ansatzpunkte, um Reizdarm zu behandeln, ist es die Darmflora positiv zu beeinflussen. Dazu dienen die bekannten Probiotika, ebenso aber auch die Präbiotika. In diesen Arzneimitteln sind Darmbakterien enthalten, die Lebensmittel verarbeiten. Ziel der Behandlung ist es diese Bakterien dem Darm hinzuzufügen und damit eine gestörte Darmflora mit „guten Bakterien“ zu versorgen. Ob Probiotika wirklich dem Darm helfen, ist unter Experten noch umstritten. Die Wissenschaft weiß sehr viel noch nicht, teilweise zeigte in Studien eine Probiotikabehandlung Wirkung, bei anderen Fällen verringern sich die Beschwerden überhaupt nicht. Sicher scheint jedenfalls zu sein: Gerät das Mikrobiom, sprich die Darmflora aus dem Gleichgewicht, leidet die Gesundheit. Bei Magen-Darm-Beschwerden, psychische Störungen und auch Hautproblemen ist ein gestörtes Mikrobiom oft der Auslöser. Wie weit die Zusammenhänge tatsächlich reichen und wie dies mit dem Reizdarmsyndrom zusammenhängt, beginnt die Wissenschaft aber gerade erst zu verstehen. Am besten drehen lässt sich an dieser Schraube mit hochwertigen Probiotika. So werden bestimmte lebende Bakterien und Hefepilze bezeichnet, die beispielsweise in Joghurt, Sauerkraut oder Kefir vorkommen. Diese können dank hochwertiger Mittel aus der Apotheke den Magensaft überleben und die Darmflora langfristig positiv verändern und Beschwerden mindern. Wer hier skeptisch ist, sollte sich von einem Experten beraten lassen, da die Zusammensetzung aller Präparate seht unterschiedlich ist. Wichtig ist hier auch die Anamnese – stellen Sie nicht einfach selbst eine Diagnose, sondern lassen Sie sich beraten. Symptome wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfungen, Durchfall, und auch die Stuhlkonsistenz und Co. haben sehr unterschiedliche Ausprägungen. Ein Experte kann Ihnen das richtige Präparat empfehlen, oder sie bitten zum Arzt zu gehen. Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Auch die besten Hausmittel mehr Sauerkraut und Gürkchen zu essen haben übrigens ihre Berechtigung in diesem Zusammenhang. Wichtig: Auch hier nicht einfach irgendwelche Mittel nehmen oder „Probiotische Joghurts“ essen – es ist wichtig genau hinzuschauen. Themen wie Stuhlgang, Beschwerden und auch Stress müssen berücksichtigt werden. Eine Expertenberatung spart Zeit und Geld, dass man in wirkungslose Produkte sonst investiert. Gerade nicht Magensaft resistente Lebensmittel mit zugesetzten Probiotika helfen nicht bei Reizdarm-Problemen. Den oft vorhanden Durchfall können sie teilweise sogar verschlimmern, auch Blähungen gehören zu den unangenehmen Nebenwirkungen einer falschen Probiotika-Selbstmedikation.

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Ansatzpunkt 3: Therapie

Da eine Reizdarm Erkrankung auch zu Veränderungen im Hirn führt, wie weiter oben aufgeführt, und nicht nur den Darm betrifft, ist eine kognitive Verhaltenstherapie langfristig eine Möglichkeit mit den Beschwerden besser umzugehen. Zudem gibt es wissenschaftliche Beweise, dass eine kognitive Verhaltenstherapie bei einem Reizdarm auch die nervlichen Fehlsignale verringern kann und so deutlich zur Besserung beiträgt. Eine ganzheitliche Behandlung von Reizdarm-Patienten, die sowohl gesunde Ernährung, therapeutische Maßnehmen Noch wissenschaftliche umstritten, aber durchaus mit vielversprechender Tendenz sind Hypnosebehandlungen (Hypnotherapie) zuletzt bei der Behandlung des Reizdarms eingesetzt worden. So kann die Visualisierung eines gesunden Darms im hypnotisierten Zustand dabei helfen, die Symptome und Beschwerden zu lindern. Weiterhin gilt Stress als ein wesentlicher Auslöser des Reizdarmsyndroms und auch hier kann Hypnose helfen, diesen zu reduzieren.

Ansatzpunkt 4: Mittel und Medikamente

Eine richtige medikamentöse Therapie bei Reizdarm existiert leider noch nicht. Verschiedene Mittel und Medikamente für gängige Erkrankungen für Magen-Darm-Probleme werden dennoch eingesetzt, primär gegen die sehr belastenden Symptome. Durchfall, Verstopfung und Blähungen werden mit entsprechenden Mitteln behandelt. Die genaue Wirksamkeit dieser Mittel bei Reizdarm ist allerdings noch ungeklärt. Auch andere Medikamente werden von Ärzten verschrieben, da sie ihren Patienten und Patientinnen ein möglichst normales Leben ermöglichen wollen. Dazu gehören Antidepressiva und in sehr speziellen Anwendungsfällen Antibiotika.

Aus dem Bereich der Naturheilkunde kommt Pfefferminzöl, ein bei Magen Darm Beschwerden häufig eingesetztes traditionelles Mittel. Dies soll die Darmmuskulatur entspannen und den Darm beruhigen. Tatsächlich zeigen auch einige Studien, dass es immerhin kurzfristig eine Linderung bringen kann. Das gleich gilt für verschreibungspflichtige krampflösende Medikamente, die von Ärzten regelmäßig verschrieben werden. Ebenfalls werden oft nicht verschreibungspflichtige Medikamente bei Verstopfungen eingesetzt. Diese sogenannten Laxantiene helfen den Stuhl weicher zu machen. Auch Mittel gegen Durchfall werden eingesetzt, um die auslaugende Wirkung von anhaltendem Durchfall zu lindern.

Unsere Experten zum Thema Darmgesundheit:

Bettina Drotleff

Bettina Drotleff

Apothekerin Bettina Drotleff Umfassende Weiterbildung im Bereich Ernährungsberatung Ausgebildete Fachberaterin für Darmgesundheit und mikrobiologische Therapie Ausgebildete klassische Homöopathin Ausgebildete Fachberaterin für Immungesundheit Weiterbildung als Detox-Trainerin

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Dr. Uta Schettler

Dr. Uta Schettler

Apothekerin Dr. Uta Schettler Ausgebildete Heilpraktikerin mit eigener Naturheilpraxis promovierte Pharmazeutin Beraterin für anthroposophische Pharmazie nach Rudolf Steiner /wp-content/uploads/2022/02/IMG_3262-video-converter.com_.mp4 Meine Beratungsschwerpunkte sind Naturheilkunde Anthroposophische Medizin

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Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise zum Zusammenhang zwischen Naturheilkunde, pharmazeutischen Arzneimittel, Lebensmittel und Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom. Er darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung verwendet werden und kann die Beratung durch einen Experten nicht ersetzen. Bitte verlassen Sie sich nicht nur auf pflanzliche Wirkstoffe und suchen Sie bei starken Beschwerden einen Arzt auf.

Quellen für weitere Recherchen zur Prävention von Reizdarm / Reizdarmsyndrom

Apothekenumschau: Probiotika bei Reizdarm

Apothekenumschau: Umfangreiche Informationen zu Reizdarm

Was hilft bei Reizdarm und was nicht 

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