Antibiotika

Was tun bei Allergie gegen Antibiotika

Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leider an einer Antibiotika-Allergie. Bei Befragungen zeigt sich, dass allerdings ein viel größerer Anteil der Menschen glaubt an einer Antibiotika Allergie zu leiden. Jeder zehnte gab in einer Befragung in den USA an an einer Penicillin Allergie zu leiden, tatsächlich war das aber in 90% der Fälle gar nicht der Fall. Denn es gilt beispielsweise eine echte Allergie von einer Überempfindlichkeit zu unterscheiden.

Eine echte Antibiotika Allergie ist selten und kann sehr gefährlich sein

Eine echte Antibiotika Allergie hat oft folgende Symptome: Allergische Reaktion der Haut, wie fleckig-knotiger Hautausschlag mit Juckreiz, klassische Allergiesymptome wie laufende Nase und tränende Augen. Schwerere Symptome sind ausgeprägte Zungenschwellung, Ödeme (Schwellungen aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe) und Fieber.

Wie bei jeder allergische Reaktion kann diese in seltenen Fällen heftiger ausfallen und einen anaphylaktischen Schock auslösen. Dies bedeutet Atemnot, Krampfanfälle, Kreislaufproblemen und Bewusstseinsstörungen, die sogar tödlich sein können.

Die meisten Menschen können allerdings eine Überempfindlichkeit gegen ein Antibiotika-Medikament und die Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie nicht von einer echten Penicillinallergie unterscheiden. Als Patienten drängen sie Ärzte zu alternativen Präparaten, die allerdings oft nicht die gleiche Wirksamkeit aufweisen, wie das ursprünglich verschriebene Medikament.

Eine Antibiotika-Allergie kann man beim Allergologen feststellen lassen

Das häufigste Antibiotikum, auf das allergisch reagiert wird, sind die Penicilline. Diese werden aus dem Schimmelpilz Penicillium chrysogenum gewonnen und gehören zu den sogenannten Beta-Laktam-Antibiotika. Dies sind allerdings nicht die einzigen Antibiotika, so gibt es noch diverse andere, zum Beispiel Tetrazykline, Aminoglykosid-Antibiotika oder die Sulfonamide.

Viele Menschen, die eine Penicillin-Allergie vermuten, weichen nun direkt auf einen der anderen Wirkstoffe aus. Dies sind oft Makrolide, Chinolone oder Glykopeptide, die man auch als Breitband Antibiotika bezeichnet.

Die Breitbandantibiotika haben eine sehr breites Wirkungsspektrum, im Vergleich zu den ursprünglich verordneten Medikamenten. Die Nachteile sind zum einen , dass sie zwar breiter aber dafür auch weniger stark wirken. Zudem werden so mehr antibiotikaresistente Bakterien gefördert. Auch können andere und mehr Nebenwirkungen auftreten. Eine Behandlung mit alternativen Medikamenten ist daher weniger wirksam.

Daher macht es Sinn, eine vermutete Antibiotika-Allergie bei einem Allergologen prüfen zu lassen. Mit einem einfachen Test auf der Haut (Pricktest) werden kleine Mengen Wirkstoff oberflächlich in die Haut geritzt. Treten nach einigen Minuten Pusteln oder Rötungen auf, so kann der Arzt eine erste Diagnose abgeben, ob eine echte Penicillin Allergie vorliegt oder der Patient nur überempfindlich reagiert. Die allergologische Abklärung enthält aber in der Regel weitere Schritte. So erfolgt meist eine Blutabnahme und, sollten die Ergebnisse noch nicht eindeutig sein, der sogenannte Provokationstest. Bei diesem werden einem Patient schrittweise immer höhere Dosen des Arzneimittel (Beispielsweise Penicillin) unter Aufsicht verabreicht. Anhand der allergischen Reaktion kann zweifelsfrei geklärt werden, ob einen Allergie vorliegt. Hier gibt es allerdings das Risiko eines allergischen Schock, daher werden zunächst der Hauttest (Pricktest) und die Blutabnahme ausgewertet, bevor ein Provokationstest durchgeführt wird.

Liegt keine echte Antibiotika-Allergie vor,  kann beispielsweise eine Penicillintherapie trotz Penicillinallergie durchgeführt werden, da die vermutete Allergie nur Zeichen von Überempfindlichkeit sind.

Das ist sehr wichtig, schließlich zeigten Studien, dass Menschen, die mit alternativen Antibiotika anstelle von Penicillin behandelt wurden, ein um 14 Prozent höheres Risiko haben, sich mit multiresistenten Keimen zu infizieren. 

Und wenn doch eine Allergie vorliegt?

Mit einer echten Antibiotika-Allergie kann man als Patient in der Regel gut umgehen. So kann man den behandelnden Arzt darauf hinweisen und dieser kann dann eine alternatives Antibiotikum wählen, dass aus einer anderen Antibiotika-Gruppe stammt. So sind Menschen, die eine echte Penicillin-Allergie haben auch gegen andere Antibiotika aus der beta lactam Gruppe allergisch. Wichtig ist zudem, dass der Allergologe einen Allergiepass ausstellt, in dem der genaue Wirkstoff des allergieauslösenden Medikaments dokumentiert wird. Denn im Notfall kann dieser einem Patienten das Leben retten. Ist ein Patient nicht ansprechbar, hilft der Allergiepass einem Arzt im Krankenhaus oder einem Notarzt das richtige Medikament zu wählen. Einen Epi-Pen mitzuführen ist in der Regeln nicht erforderlich. ,

Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise zum Thema Medikamente, Allergien und Antibiotika Er darf nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung verwendet werden und kann die Beratung durch einen Experten nicht ersetzen. Bitte suchen Sie bei starken Beschwerden einen Arzt auf, so dass dieser die verordneten Arzneimitteln durch andere ersetzen kann. Bitte setzen sie keine Antibiotika auf eigene Faust ab.

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